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Impuls für die Woche

Vom Herbst des Lebens

So sehr uns der Sommer auch fehlen wird – der Herbst ist mindestens genauso liebenswert. An Tagen, wo die Sonne scheint, der Himmel blau ist und die bunten Blätter vom Wind herumgewirbelt werden, hat der Herbst eine ansteckende Fröhlichkeit. Da zieht es uns ganz von selbst hinaus zu Spaziergängen, Radtouren oder auch zum Drachen steigen lassen auf eine große Wiese. Besonders der herbstliche Wald hat einen ganz eigenen, frischen Geruch.  Überdies wird im  Herbst vieles sichtbar, was uns im Sommer gar nicht ins Auge fällt. Zum Beispiel ist die Natur an einem sonnigen Herbstmorgen von leichtem Nebel und glitzernden Spinnweben durchzogen.

Für unsere Enkelkinder ist diese Jahreszeit die reinste Fundgrube. Stundenlang können sie bunte Blätter, Kastanien, Bucheckern und Eicheln sammeln, die von den Bäumen gefallen sind. Damit lässt es sich herrlich spielen. Man muss nur aufmerksam hinschauen und stellt fest: Der Herbst ist einfach zauberhaft.

Wenn ich durch frisches Laub stapfe, wird mir zudem bewusst, wie viele Menschen  ich seit Jahren begleiten darf, die sich im Herbst ihres Lebens befinden und über einen kostbaren Schatz an Erfahrungen verfügen. Ich bewundere ihre Ruhe und Gelassenheit sowie ihren Humor, mit dem sie die Auf- und Abstiege des Lebens akzeptieren und  dankbar zurückschauen. Je häufiger ich sie besuche und je mehr die Jahre ins Land ziehen, desto deutlicher erschließt sich mir das Versprechen Gottes,  das uns im Buch des Propheten Jesaja gegeben wird:  „Bis ins Alter bin ich derselbe, so alt ihr auch werdet, bis ihr grau werdet, will ich euch tragen.“ Hierdurch bekomme ich  eine  Ahnung davon, was die Lebenszeit im Kern ausmacht: Lebenszeit ist geschenkte Zeit, ist kostbare Zeit, ist ein von höchster Instanz ausgeklügeltes System, innerhalb dessen jedes Jahr, jeder Tag, ja jeder Augenblick seine je eigene Bedeutung hat.

Ihre Beatrix Jakobi