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Neue Einheitsübersetzung wird liturgischer Standard

Katholische Kirche führt neue Bibelübersetzung ein

In den Gottesdiensten am 1. Adventssonntag hat die katholische Kirche ein neues Messlektionar eingeführt. Wie hier in der Warsteiner St. Pankratius-Kirche ist die neue Einheitsübersetzung damit der neue liturgische Standard und gilt verbindlich für alle Gottesdienste. Die neue Bibelübersetzung löst die alte Einheitsübersetzung ab, die nach dem Zweiten Weltkrieg in einem intensiven Übersetzungprozess von 1962 bis 1974 entstanden ist und die erste einheitliche Übersetzung, daher stammt auch ihr Name Einheitsübersetzung, für alle katholischen Bistümer im deutschen Sprachraum war.

Jetzt, nach 40 Jahren im liturgischen Gebrauch, werden also die alten Messlektionare ausgetauscht und durch die neue Einheitsübersetzung ersetzt. "Glaubensinhalte oder wesentliche Merkmale haben sich in dieser neuen Übersetzung nicht verändert", verspricht Diakon Ludger Althaus. Dennoch begann 2002 der Prozess für eine moderate Revision der Einheitsübersetzung, in die neue textkritische Erkenntnisse der sprachwissenschaftlichen Forschung eingeflossen sind, sachliche Korrekturen zur Fehlerbeseitigung der alten Einheitsübersetzung vorgenommen und die Sprache stellenweise in ein gehobenes Gegenwartsdeutsch angepasst wurde. In der Summe finden sich daher in etwa ein Viertel der Bibelversen eine Korrektur. Zwei Beispiele für solche kleinen Fehlerkorrekturen, die in der neue Einheitsübersetzung berücksichtigt sind, finden sich im neustamentlichen Römerbrief, indem der Apostel Paulus einen Gruß an Junias, einem Mann, ausrichtet. Jedoch ist die Adressatin korrekterweise Junia, also eine Frau. Oder im alttestamentlichen ersten Buch Samuel wurde der König David fälschlicherweise als blond bezeichnet, jetzt ist wieder rötlich.

Für Vikar Schröder ist eine Änderung besonders erfreulich: "Im Alten Testament haben wir in den Gottesdiensten oft den Gottesnamen Jahwe gehört. Jedoch hätte kein Mensch zur Zeit des Alten Testamentes diesen Gottesnamen je ausgesprochen, frommen Juden ist es auch heute noch streng untersagt. Vielmehr wird der Gottesname stattdessen umschrieben mit Gott, Herr oder der Name. Es ist nur vernünftig und eine Frucht des jüdisch-christlichen Dialoges, dass wir diese Regelung in der neuen Einheitsübersetzung übernommen haben und jetzt auch in den Gottesdiensten hören werden."

War die alte Einheitsübersetzung noch das Ergebnis einer ökumenischen Arbeitsgruppe, die von beiden christlichen Kirchen anerkannt worden ist, so hat sich die Evangelische Kirche nach Streitigkeiten 2005 aus dem Neuübersetzungprozess zurückgezogen. Somit ist die neue Einheitsübersetzung eine rein katholische und keine ökumenische Übersetzung mehr, was Vikar Schröder "sehr bedauerlich und schade" findet. Da die Leseordnung der katholischen Kirche in drei Lesejahre aufgeteilt ist, wird der Austausch der achtbändigen Messlektionare und des Evangeliars sukzessiv bis 2022 erfolgen.